Ich bin doch kein Anfänger!

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Warum sich im Berufskontext viele nicht als „Lernende“ outen wollen und mit welchen Methoden Sie als Team- oder Abteilungsleiter das ändern können!

Menschen und Unternehmen müssen sich weiterentwickeln

Die täglichen Herausforderungen im Arbeitsumfeld sind durch die aktuellen VUCA Rahmenbedingungen immens. Um die eigene Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten ist eine stetige Weiterentwicklung nötig. Die General Direktion Bildung & Kultur der Europäischen Kommission brachte bereits 2006 das Dokument „SCHLÜSSELKOMPETENZEN FÜR LEBENSLANGES LERNEN - Ein Europäischer Referenzrahmen“ heraus. Darin werden unter anderem Fremdsprachen-, Computer- und Lernkompetenzen als besonders relevante herausgestellt, aber auch Eigeninitiative und Kulturbewusstsein benannt.

Und auch aktuell liest man viel zum Thema. Ein Beispiel ist der Artikel "Flexibilität, Fortbildung - und ganz viel Fürsorge", der am ersten Januar-Wochenende im Handelsblatt erschien und "Wandel und Weiterbildung" als Trend 1 für das Jahr 2020 nennt.

Übersetzt für Unternehmen bedeutet das, dass Weiterentwicklung und Innovation die relevanten Zukunftsfaktoren sind. Das haben viele Organisationen auch erkannt. In der Realität beobachte ich in meiner Tätigkeit als Beraterin jedoch oft, dass keine Lernkultur gelebt wird.

Mit dem 3-Zonen-Modell verstehen, weshalb der Schritt aus der Komfortzone so schwerfällt

Menschen verlassen ungern ihren eigenen „Experten-Status“, um sich in einem anderen Bereich als „Lernende/r“ zu positionieren. Es bedeutet aus der eigenen Komfortzone heraus zu gehen.

Im Drei-Zonen-Modell, welches aus der Erlebnispädagogik stammt, ist gut dargestellt, weshalb dies so schwerfällt (Quelle: https://karrierebibel.de/3-zonen-modell/) und warum es trotzdem wichtig ist. Wenn wir nämlich immer nur in unserer Komfortzone bleiben, werden wir träge. Doch zu wissen und zu verstehen, dass das Verlassen der „sicheren Zone“ zwar momentan unangenehm ist, auf Dauer jedoch Wachstum und Weiterentwicklung ermöglicht ist ein guter Ansporn dafür, Herausforderungen anzunehmen.

Ein geeignetes Lernumfeld schaffen ist die Basis für organisationale Weiterentwicklung

Um eine Organisation in eine Lernende Organisation zu verwandeln braucht es viel Vertrauen in sich selbst und in die Umwelt. Und es braucht viel Reflexion – denn nur durch Reflexion sind wir fähig zu lernen. Sehen Sie hierzu einen kurzen Interview-Ausschnitt mit Dr. Eva Strasser, Change Management Beraterin und Vorstand der Strasser & Strasser Unternehmensberatung AG.
Als Team-/Abteilungsleiter sind Sie dafür verantwortlich ein Umfeld zu schaffen, in dem eine offene Lernkultur gelebt wird.

Konkrete Praxistipps für Sie als Team-/Abteilungsleiter – Persönlichkeitsfragebögen als Grundlage Stärken zu stärken – Das Lebensrad zur Standortbestimmung von Einzelpersonen

Führung bedeutet heute nicht mehr, das Wissen vorzugeben. Führungsaufgabe ist es, das Team dazu zu bringen, sich bestmöglich mit der eigenen Aufgabe auseinanderzusetzen und alle Teammitglieder dazu zu animieren eigenverantwortlich Höchstleistungen zu bringen.
Was können Sie also konkret tun?

  • Seien Sie ein Rollenvorbild
    Begeben Sie sich selbst aus Ihrer Komfortzone und entwickeln Sie sich weiter.
    Praxistipp: Outen Sie sich in verschiedenen Gebieten als Anfänger.
  • Stärken Sie die Stärken Ihrer Teammitglieder
    Unterstützen Sie Ihre Teammitglieder dabei, das eigene Potenzial bestmöglich zu entwickeln und Herausforderungen & Wachstums-Chancen anzunehmen.
    Praxistipp: Dazu eignen sich Persönlichkeitsfragebögen wie z.B. der StrengthsFinder von Gallup oder die kostenfreie Alternative Big Five. Anhand der Ergebnisberichte können Sie ins Gespräch gehen. Ob Sie Einzelgespräche oder ein Teammeeting vorziehen hängt davon ab, wie Sie den StatusQuo Ihres Teams einschätzen. Ich empfehle, auch den eigenen Ergebnisbericht offenzulegen.
    Beispiele für Leitfragen im Einzelgespräch:
    1. Welche Erkenntnisse hast Du aus Deinem Bericht gezogen?
    2. Welche Stärken siehst Du bestätigt?
    3. Welcher Stärken waren Dir nicht bewusst?
    4. Wie setzt Du Deine Stärken schon im Team / in Deiner Arbeit ein?
    5. Wie könntest Du Deine Stärken noch besser einbringen?
  • Über-/Unterforder im Team verhindern
    Achten Sie auf das Energiemanagement Ihrer Teammitglieder.
    Praxistipp: Führen Sie im Einzelgespräch eine Bestandsaufnahme durch. Wie rund läuft es in den verschiedenen Lebensbereichen wie Gesundheit, Beruf, Familie, Freizeit, usw.? Allein der Austausch öffnet einen Zugang zu den Teammitgliedern, der für gegenseitiges Verständnis sorgt. Mit Fragen "In welchem Bereich gibt es noch Verbesserungspotenzial?" oder "Was will ich konkret verändern?" unterstützen Sie Ihre Teammitglieder dabei, für sich und die eigene Energie zu sorgen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Lassen Sie uns gerne wissen, wie Sie die Praxistipps umgesetzt haben! Was hat für Sie funktioniert, was nicht? Hinterlassen Sie uns gerne Ihre Kommentare dazu!

Veröffentlicht von Verena Neumayer.

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