Krise ist, was Du draus machst!

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Wir unterscheiden in unserer Arbeit mit Führungskräften zwischen Führen in der Stabilität, Führen im Wandel und Führen in der Krise.

Gestern durften wir einen Workshop bei einem Kunden begleiten, der eigentlich als klassischer Führungs-Workshop in einer Stabilitätsphase geplant war. Da jedoch eine Woche zuvor eine Krise aufgetreten war, als ein vermeintlich kleiner IT-Roll-Out weitreichende Folgen hatte, nutzten wir den Termin für die Reflexion der vorangegangenen Krisensituation. Entgegen den theoretischen Modellen ist es etwas anderes, wenn ein Krisenfall im realen (Arbeits-)Leben eintritt – und dies kann trotz sehr gutem Risikomanagement passieren. Oder wie im aktuellen Fall, weil die vermeintlich kleine Änderung gesehen, nicht aber die Kettenreaktion berücksichtigt wurde, die dann zum GAU führte.

Fehler passieren – Krisen treten ein. Was machen wir daraus?

Gänzlich vermeiden kann man Krisen nicht. Wir plädieren stark dafür, auch in Krisensituationen nicht mit der Suche nach einem Schuldigen zu antworten. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass man professionell und strategisch klug mit Krisen umgeht. Eine Einsatznachbesprechung wie in unserem Workshop bietet sich auch nach dem ersten Krisenmanagement und „Feuer löschen“ an:

1.       Was ist genau passiert?

2.       Was lief trotz Krise gut und sollte beibehalten werden?

3.       Was lief schlecht und sollten wir deshalb für die Zukunft ändern?

4.       Was sind unsere Lessons Learned und welche konkreten Maßnahmen leiten wir daraus ab?

Die Führung hat hierbei die schwierigste Aufgabe – einen kühlen Kopf bewahren und die Situation als Lernchance für die eigenen Mitarbeiter nutzen.

Genau das hat unser Kunde gemacht. Das Feuer wurde gelöscht und in dem gemeinsamen Workshop konnten wir mit der Führungsriege reflektieren, was geschah und was beim nächsten Mal anders gemacht werden kann, damit so etwas eben nicht mehr passiert. Und falls etwas Vergleichbares doch noch einmal passieren sollte, wie der Prozess des Feuerlöschens aussieht. Denn was ein Lessons Learned war: wir haben zwar ein sehr gutes Krisenmanagement und genaue Ablaufbeschreibungen für den Fall der Fälle – aber diese waren in der Ausnahmesituation nicht abrufbar.

Dieses Phänomen kann man gut am Beispiel eines Fahrsicherheitstrainings erklären. Natürlich weiß jede Person, die einen Führerschein gemacht hat theoretisch, dass man bremsen, aufblenden und hupen soll, wenn ein Reh auf die Straße springt. Doch diese Reaktion in der Gefahrensituation abzurufen, ist für viele nicht möglich. Erst wenn diese Reaktion eingeübt wurde, reagiert man automatisch richtig. Genauso verhält es sich z.B. bei der Ersthilfe – auch Erste-Hilfe-Kurse sollte man regelmäßig auffrischen, um im Fall eines Unfalls richtig zu reagieren.

Solche Themen im Kontext eines Unternehmens zu bearbeiten ist eine spannende Herausforderung. Wir verlangen viel Menschlichkeit, Vertrauen und Mut zur Selbstreflexion von Führungskräften. Bei unserem konkreten Kunden-Einsatz waren wir begeistert über die gelebte gute Fehlerkultur der Führung.

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Veröffentlicht von Verena Neumayer.