Mündige Unternehmensbürger:innen fördern und fordern!

Vielen Dank an Gerd Altmann alias Geralt auf Pixabay für das Bild!


Wie man eine gesunde Arbeitsumgebung im NewWork-Kontext unterstützen kann – Perspektive Unternehmer:in & Perspektive Mitarbeitende

Viele Mitarbeitende wünschen sich, endlich als mündige Unternehmensbürger behandelt zu werden. Es gehört zur Arbeitgeberfreundlichkeit, ob Mitarbeitenden auf die Vorteile von NewWork zählen können. Potenzial-Kandidaten bewerben sich auf Stellen, die Freiräume zulassen – die es erlauben, als ganzer Mensch zur Arbeit zu kommen.

Und gleichzeitig übersehen Menschen gerne, was dieser Wunsch der einzelnen Person abverlangt. Denn will ich mündiger Unternehmensbürger sein, ist die zweite Seite der Medaille, dass ich auch so handeln und interagieren muss. In vielen Change Prozessen die wir begleiten werden die damit verbundenen Herausforderungen erst auf dem Weg fühlbar und damit bearbeitbar.

Im Change hin zum agileren und selbstorganisierten Unternehmen kommen Menschen an einen Punkt, an dem sie sich – teilweise zum ersten Mal – aktiv mit den eigenen Werten, Stärken und der eigenen Lebensvision auseinandersetzen. Was kann ich gut? Was treibt mich – ganz abgesehen von äußeren Einflussfaktoren – an? Was motiviert mich nachhaltig, damit auch über lange Durststrecken ohne nennenswerte Erfolge und/oder Durchbrüche durchhalte? Viel zu viele Menschen nehmen es als Tatsache hin, dass Durchhaltevermögen nicht ihre Stärke ist. Aus meiner Erfahrung hat jede:r von uns Durchhaltevermögen! Aber eben nur für bestimmte Dinge, die die eigene Lebensvision - egal ob einem diese bewusst ist oder nicht - unterstützen.

Also der erste Schritt zur Entwicklung zum mündigen Unternehmensbürger: Ich kenne und verstehe mich selbst! Nur wer mit der Persönlichkeitsentwicklung und der Selbstreflexion anfängt weiß, was ihn/sie antreibt. Nur wer sich mit sich selbst auseinandersetzt kennt die eigene Lebensvision und kann sich im Umfeld Überschneidungen suchen. Aus meiner Sicht gibt es hier auch keine Unterscheidung zwischen Arbeits-Ich und Privat-Ich – ich bin ich.

  • Für das Individuum bedeutet das, mutig zu sein und sich im Unternehmenskontext zu zeigen, wie man ist.
  • Für die Unternehmen bedeutet das, in der Personalentwicklung auf Persönlichkeitsentwicklung zu setzen. Diese Themen haben oft nicht direkt etwas mit der Rolle und dem Aufgabengebiet der Mitarbeitenden zu tun und werden deshalb nicht von den Führungskräften gefördert. Das sollte sich verändern.

Im zweiten Schritt zur Entwicklung zum/zur mündigen Unternehmensbürger:in geht es darum, unsere Umwelt zu verstehen. In welcher Umwelt bewegen wir uns – in welcher Umwelt wollen wir etwas verändern? Was macht unser Unternehmen / unseren Bereich aus und was sind die Ziele? Welche Veränderungen stehen uns bevor? Wer sind die Menschen in meinem Umfeld und was treibt sie an? Je intensiver wir hier forschen und uns mit unserem Umfeld auseinandersetzen und zuhören, umso besser verstehen wir unsere Umwelt. Und das ist ein wichtiger Punkt! Denn nun kennen wir unsere eigene Vision und die Vision unseres Umfeldes und können nach Win-Win-Konstellationen suchen!

  • Für das Individuum bedeutet dies zuhören und verstehen. Als Mitarbeitender muss ich mich darauf einlassen und akzeptieren, was die Vision ist.
  • Für die Unternehmen bedeutet das, auf Partizipation zu setzen! Transparenz über Ziele und Visionen das Unternehmen betreffend ist eine Voraussetzung! Die offene Kommunikation und die Bereitschaft in den Austausch zu gehen, damit die Mitarbeitenden Ziele und Visionen durchdringen können, sind die Basis.

Der dritte Schritt ist der anspruchsvollste Schritt, nämlich genau diese Win-Win-Konstellationen zu finden. Wo gibt es Überschneidungen? Wie kann ich meine eigenen Stärken einsetzen, wo können meine eigenen Werte positiv beitragen? Wo befruchten sich die eigene Vision und die Unternehmensvision gegenseitig? Um diese Shared Vision zu finden, braucht es viel Austausch und Gespräch.

  • Für das Individuum bedeutet das, mit offenen Karten zu spielen und auch über die persönlichen Antreiber und Motivationen transparent zu kommunizieren. Das macht in gewisser Art und Weise natürlich auch angreifbar.
  • Für die Unternehmen bedeutet das, Raum zu geben – sowohl den geistigen Freiraum in Form von Zeit und Impulsen, als auch den sicheren Raum in Form einer guten Unternehmenskultur. Aber auch der physische Raum in Form einer ansprechenden Umgebung, die unsere Bedürfnisse bestmöglich stillt, ist wichtig! Nur wenn Mitarbeitende sich wohl und sicher fühlen, werden persönliche Themen wie Stärke und Werte ehrlich bearbeitet & besprochen.

Der vierte Schritt ist dann ein aktiver Schritt nach vorne. Habe ich mich selbst verstanden, mein Umfeld verstanden und eine Shared Vision entdeckt, kann ich aktiv etwas tun. Der Vorteil von diesen Aktionen und Maßnahmen ist aus meiner Sicht das Energielevel. Egal ob Rückschläge oder nicht, ich werde durchhalten, weil ich etwas auf dem Weg zu meiner persönlichen Vision mache. Nicht das Wohl des Unternehmens steht im Vordergrund, sondern mein eigenes. Und dabei tue ich auch noch etwas für das Unternehmen. Das ist eine andere Haltung. Die Energie ist eine spürbar andere.

  • Für das Individuum bedeutet das, als Unternehmer im Unternehmen zu denken. Ich mache etwas für mich Sinnvolles und es entsteht so viel Energie, dass ich mehr mache, als ich müsste. Aus einer Arbeitnehmerhaltung heraus wäre dies nicht gut, weil ich meine persönliche Lebenszeit einem Unternehmen widme bzw. etwas das ich in meiner Lebenszeit mache, dem Unternehmen zu Gute kommt. Das bedeutet auch verantwortungsvoll mit der eigenen Energie umzugehen. Nur wer stark auf Anspannung und Entspannung achtet, kann auch in einem anspruchsvollen Job die eigene Gesundheit erhalten!
  • Für die Unternehmen bedeutet das, eine gewisse Flexibilität in der Rollenbesetzung zuzugestehen. Ist ein Mitarbeitender in einem Feld ein Experte, kann er diese Rolle einnehmen und gleichzeitig in einem anderen Feld ein absoluter Anfänger sein. Diese unterschiedlichen Rollen im Unternehmenskontext abzubilden und Menschen den Freiraum für laufende Entwicklung zu geben entspricht nicht der bisherigen Organigramm-Denke. Deshalb ist es eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe, beide Denkweisen zu vereinen. Zusätzlich ist es die Fürsorgepflicht der Führung, die Mitarbeitende zwar zu fordern und zu fördern, aber eben auch darauf zu achten, dass es Zeiten zur Entspannung gibt.

Fazit: Grade im NewWork-Umfeld wird von Mitarbeitenden gefordert, wie mündige Unternehmensbürger:innen behandelt zu werden. Von Führungskräften hört man jedoch oft gegensätzliche Beispiele: wir haben versucht, agil und mit weniger Hierarchien zusammenzuarbeiten, aber die Mitarbeitenden wollen die Verantwortung nicht übernehmen – sie wollen nicht wie mündige Unternehmensbürger behandelt werden. Unsere vier Schritte stellen einen Ansatz dar, mit dem Unternehme

Veröffentlicht von Verena Neumayer.

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